Neugestaltung und Aufwertung der ahrbegleitenden Alleen zur Landesgartenschau

Nach den Kurparkliegenschaften erzürnt die Präsentation seitens der Landesgartenschau Bad Neuenahr-Ahrweiler 202 gGmbH – im Volksmund „Kahlschlag“ die Gemüter der Stadt. Zahlreiche Bürger zeigen kein bis wenig Verständnis für die Abholzung zweier kompletter Straßenzüge.

Nicht nur die Maßnahme an sich, vielmehr die Art und Weise, wie sie der Öffentlichkeit kommuniziert wurde brachte der LGS gGmbH viel Kritik ein. Ob sie als Überbringer der schlechten Nachricht das richtige Ziel für diese Kritik ist, sei mal dahingestellt.

Bäume in der Lindenstraße / Georg-Kreuzberg-Strasse sind für uns selbstverständlich. Mittlerweile so selbstverständlich, dass wir uns kaum um sie kümmern. Wenn sie stören, holzen wir sie ab. Sie wachsen ja wieder – irgendwo in dieser Stadt. Und genau hier liegt ein gravierender Gedankenfehler. Die “soziale” Leistung, die ein alter großer Baum für die Menschen hat, Vögel und Insekten hat, ist so immens, dass selbst umfangreiche Neupflanzungen vorhandene Bäume nur schwer ersetzen können. Bäume, wie auch Häuser prägen an Straßen und Parkanlagen das Erscheinungsbild, den Charakter unserer Stadt. Auch wir, die Bewohner sind optisch sehr unterschiedliche Lebewesen, wir sind mal kurz, mal lang, mal dünn, mal etwas fülliger, mal jung, meistens mehr alt, mal gesund, im Alter eher krank – keine geklonten Menschen also. Wir, die Menschen und Bäume dieser Stadt haben Charakter und sind authentisch.

Im Vergleich zu der im Stadtrat vom 15. Oktober 2018 vorgelegten Vorplanung haben sich bei der Erarbeitung der Entwurfsplanung relevante Änderungen ergeben.

Eine Baumzustandsbewertung soll im Oktober nicht vorgelegen haben, gleichzeitig verweist man aber für die Linden- und Georg-Kreuzberg-Straße auf einem Kostenansatz, wo 11 Bäume entfernt, 23 Bäume intensiv gepflegt und 59 Bäume neu zu pflanzen sind.

In der aktuellen Stellungnahme werden nun auch andere Argumente präsentiert. So hat man in den letzten drei Monaten festgestellt, dass der Baumbestand weder auf gärtnerische, noch im Hinblick auf gestalterische Gesichtspunkte zu halten ist. Im Bereich der Georg-Kreuzberg-Straße stellt sich der Baumbewuchs aktuell sehr heterogen in Bezug auf Art und Größe der Bäume dar. Fazit: Ein einheitliches Erscheinungsbild ist nicht mit einem punktuellen Ersatz der Baumpflanzung zu erreichen.

Wenn sich zwischen der Vorplanung im Oktober 2018 und der Vorlage Januar 2019 die gestalterischen Gesichtspunkte verändert haben, so kann der Sinneswandel durchaus hinterfragt werden.

In vielen Städten werden seit Beginn der 80er-Jahre Grundlagendaten zu Bäumen, aber auch die Ergebnisse der vorgeschriebenen Baumkontrollen in Baumkatastern dokumentiert. In welcher Form werden diese Daten in Bad Neuenahr-Ahrweiler erfasst, verwaltet und nach Kontrolle bewertet werden, geht aus dem Antrag nicht hervor.

Was passiert mit den anderen Baumbeständen innerhalb des Stadtgebietes? Ganz nebenbei ist in der Vorlage zu lesen, dass die Stadt über Parkanlagen und Alleen verfügt, die überwiegend in die Jahre gekommen sind.

Fazit: Es ist kein Wunder, wenn dem Bürger und sogleich Steuerzahler die Akzeptanz für den massiven Kahlschlag von 198 Bäumen fehlt, die z. T. aus gestalterischen Gesichtspunkten entsorgt werden. Aktuelle Kostenschätzung – knapp 300.000 Euro.

Betrachtet man den teilweise erbärmlichen Zustand der neu gepflanzten Obstwiesen in Bachem, wird zurecht die Frage gestellt, ob und wie man seitens der Verwaltung nach der Pflanzung von Bäumen die Baumkontrolle, -pflege und -versorgung leisten kann und will. Nach der Pflanzung – und je nach Standort auch in trockenen Sommern – müssen die Pflanzen ausreichend gewässert werden. Aber auch das Beseitigen von Blättern und Zweigen sowie notwendige Korrekturschnitte und andere Pflanzenschutzmaßnahmen führen zu Aufwand.

Nach aktueller Planung sollen 141 neue Bäume mit einem Stammumfang von 25/30 cm neu gepflanzt werden. Anm. das ist weniger als eine gerollte DIN A 4 Seite. Wenn Teile des Baumbestandes ergänzt werden, sollten eine Reihe von Erkenntnissen und wissenschaftlichen Daten über Wachstum, Resistenz, Größe und Verwendbarkeit von Bäumen in Siedlungsräumen Berücksichtigung finden. Sich ändernde Klimabedingungen, Flussnähe sind weitere Kriterien. Ohne Details über die geplanten Sorten der Stadtbäume, die Baumbeschreibungen deren Entwicklungsmöglichkeiten bis zur Gartenschau oder ein, zwei Jahrzehnte später, erscheinen die dargestellten Planungen / Kosten eher als Sandkastenspiel, aber nicht unbedingt als seriöse Entscheidungsvorlage.

Wie schon festgestellt – auch in die Jahre gekommene Bäume verbessern durch Sauerstoffproduktion, CO2 -Bindung, Staubfilterung und Schattenbildung nachhaltig das Stadtklima. Damit tragen sie wesentlich zum Wohlbefinden der Bürger in der Stadt bei. Ja, die Klimaveränderung begünstigt das Auftreten neuer Krankheiten und Schädlingen. Immer häufiger treten längere Trockenzeiten wie im Sommer 2018 auf, die die Bäume zusätzlich schwächen. Oft kommen mechanische Verletzungen hinzu – Schäden an Bäumen können auch durch Streusalz, Erdgas und Hundeurin verursacht sein. Das ändert sich bei neu gepflanzten Bäumen nur dann, wenn man sich auf Einschränkungen verständigen kann. Können wir uns ein Salz-Streuverbot in diesen Bereichen vorstellen, oder gar eine Gassi-freie Zone? So ironisch es klingt – auch hierzu sind Antworten nötig.

Aktuell erinnert das Vorgehen eher an eine Herztransplantation, wo das Herz des Patienten entfernt wird, bevor das Spenderherz bereitsteht.

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Mehr “Querbeet” zur Landesgartenschau wie immer bei http://bit.ly/2FUIsT2
#lgs2022#lgs2022bna #savethetrees

Foto: Michael Lentz – Ahrtalwandern.de

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